Um Casamento (Hochzeit) und Freunde in Cuiaba
04.06.2008

In Brasilien hat der Winter Einzug gehalten! Bei eisigen 10 Grad sitze ich nun jeweils mit zwei Pullis und einer Jacke vor dem Compi und vermisse meinen Schweizer Kleiderschrank! Da wir ja lediglich mit Fliegengittern ausgerüstet sind, ist es ÜBERALL kalt, ausser in meinem Bett. Na ja, da heisst es abwarten und Mangoblättertee schlürfen (und dies gleich literweise!)
Auch die Schule haben wir zeitenweise vom luftigen Schulzimmer an den "warmen" Küchentisch verlegt. Aber niessen und husten tun wir trotzdem alle im Chor.
Die Eltern der Kinder sind für zwei Wochen im anderen Hotel und ich bin mit den Kids und den Angestellten alleine. Das ist super, und vor allem enorm friedlich :-)
Die Kinder sind sehr zutraulich und lassen oft auch lustige Sprüche fallen. Jessi zum Beispiel meinte eines Tages, als ich irgendwas falsch machte: " Ach Dani, du bisch scho es Problem!". Ich konnte mich fast nicht halten vor Lachen!
Oder Vinicius Bemerkung (als ich wiedermal was vergass und meinte, dass ich halt nicht mehr die Jüngste sei) war: " Easy Dani, mer isch ersch ab 40gi alt!" Oh, merci für die ufklärende Wort, das beruhigt mich extrem :-)
Mit Yara verbrachte ich mal fast eine Stunde an einer Matheaufgabe. Ich meinte dann aus Spass: " Wenn du das gelöst hast, kannst du also ein Kreuz an die Decke machen!" Tja, sie hat's dann sehr wörtlich genommen und mit aller erdenklichen Anstrengung und einer meiner Kreiden ein Kreuz ans Wellblechdach gemacht...
So gibt es immer was zu lachen und zu witzeln und die Tage vergehen schnell mit Schule, Lesen, mit Freunden skypen und Tennis spielen.

Rodrigo, Eldiva und ich
Ein Abend mit Eldiva
Eldiva, welche ich in Cuiaba kennenlernte lud mich an einem Weekend zu sich nach Hause zum Abendessen mit ihrer Familie ein. Die sechsköpfige Familie aus drei Generationen bestehend wohnte in einem ca. 30 Quadratmeter grossen Raum. Darin befanden sich sechs Betten, ein Tisch, Fernseher und eine provisorische Küche!!! Ich war bei dem Anblick ziemlich schockiert. Eldiva musste mir das angesehen haben, da sie gleich erklärte, dass es ganz normal sei, dass die Kinder bis fast vierzig auf diesem engen Raum mit ihren Eltern und eigenen Kindern zusammenlebten.
Die Familie gab sich sehr Mühe und es wurde ein gemütlicher Abend. Die achtjährige Nichte von Eldiva versuchte in Zeichensprache mit mir zu sprechen, bis ihre Grossmutter ihr erklärte, dass ich im Fall nicht taub sei, sondern einfach nicht so gut Portugiesisch sprechen könne :-)
Ich lernte an diesem Abend viel, vor allem meine Meinung zu ändern. Ich glaube, diese Leute in den kleinen Häusern sind nicht wirklich arm! Sie haben alles, was sie brauchen. Sie haben genug Geld um zu leben, sie haben ihre Familie, ihre Träume und sind glücklich. Ich denke, dass manche europäische Familie mit mehr materiellen Besitztümern weniger glücklich ist! Ich glaube wirklich arm ist hier nur, wer auf der Strasse lebt und Hunger hat.
Später gingen wir dann mit Rodrigo zusammen in den Ausgang ins Geronimo. Es wurde ein lustiger Abend und wir tanzten und lachten viel.
Celia und der Supermarkt
Eines Abends ging ich im Supermarkt einkaufen in Cuiaba. Hinter mir stand eine junge Frau und sprach mich in gebrochenem Englisch an, als ich mich an der Kasse in gebrochenem Portugiesisch unterhalten wollte. Sie gab mir dann gleich ihre Nummer.
Dies war jedoch nicht genug! Nach einer Weile des Plauderns nahm sie mich gleich zu ihrem Arbeitsplatz mit. Sie zeigte mir dort alles und schrieb mir einen Lebenslauf auf Portugiesisch, da sie fand ich brauche eine Stelle als Lehrerin in der Stadt!!!
Sie versicherte mir, dass ich jedes Wochenende bei ihr wohnen koenne und stellte mich gleich ein paar Freunden vor!
Die Freundlichkeit der Leute hier ist echt beinahe unglaublich!!!! Wahnsinn, echt! Seither sind Celia und ich in regem Kontakt und ich werde sicher ein paar Wochenenden bei ihr verbringen.

Celia und ich in ihrem Buero
Hochzeit auf dem Bauernhof


Ende Mai wurde ich von Oldinei zu seiner Hochzeit eingeladen. Ich freute mich sehr und fand es schade, dass mein bescheidenes Gepäck keine passende Kleidung hergab. Ausserdem war es an diesem Weekend enorm kalt. Das Thermometer sank auf unter 10 Grad und ein allgemeines Schlottern machte sich breit! Auch andere Leute entschieden sich für den Windjacken-look anstelle der eleganten Abendrobe. Einige kurz beminirockten Damen bereuten diese Wahl bitter.
Die Hochzeit begann um acht Uhr und die ganze Zeremonie wurde in der offenen Scheune einer Fazenda gefeiert. Alles war liebevoll dekoriert. Wirklich eine Augenweide!!!

Das Brautpaar am Ringetauschen, Versprechen geben und Hochzeitskuss küssen

...und los geht's zum Fotoshooting

immer schön lächeln!

Oldinei und Zelia mit den Blumenkindern

der gute Herr sieht etwas verheult aus... es sind schon einige Tränli geflossen.

Familienclan

die Brautjungfern. In wunderschhönen Kleidern! Ich weiss gar nicht, wie die so unversehrt durch den Dreck zur Scheune kamen... ob sie sich erst vor Ort umgezogen haben???

Törtchen und Brautstrauss

die Schlacht am Buffet (ein sehr treffender Ausdruck) !!!
Das Fleisch wurde übrigens gleich neben der Scheune von einem Stück Kuh frisch geschnitten und über einem riesen Feuer gebraten...

die frierenden Gäste am Essen

das einzig Richtige in dieser Situation! Händewärmen an den Dekokerzen.

Xitara mit gefundenen Blumen

Xitara, ich und Yara

der ganze Anlass vom Dreckhügel aus fotografiert :-)
heute keine Blumen... es ist zu kalt!!!! :-))))))))))
Eingestellt von puzzli2 5:07 PM









