Ab nach Lima
22.08.2008


Das Fliegen und seine Tücken
Es kam mir vor, als habe ich den Abschiedscaipi erst getrunken, als der Wecker schon wieder klingelte. An viel Schlaf war eh nicht zu denken. Ich musste viel Nachdenken und innerlich Abschied nehmen.
Natürlich war ich dann typischerweise 5h zu früh am Flughafen, weil ich ganz sicher gehen wollte, dass ich in der Riesenstadt auf den 30km Busfahrt zum Flughafen nicht noch in den Stau gerate. Ich checkte ein und hängte dann ein wenig im Terminal rum. Zum Glück war Olympiatime, so dass ich mitweinen konnte, als die brasilianische Damenmannschaft im Fussball verlor. Der Herr neben mir, ein Psychologe aus Rom, versuchte dauernd eine Konversation zu starten, obschon ich mich sehr auf das Fussballspiel konzentrierte. Als er dann zu seinem Flug aufbrechen musste, drückte er mir seine Visitenkarte in die Hand. Falls ich in Rom sei, könne ich ja dann bei ihm wohnen. aha....
Gut, dann stellte ich mich in die Mc Donalds-Schlange, um wiedermal ein wenig gutes altes Mc-Feeling zu geniessen. Der Herr hinter mir, ein nach Lima reisender Portugiese, begann ein Gespräch und nachdem er an der Reihe war mit Bestellen drückte er mir seine Visitenkarte in die Hand. Falls ich wiedermal in Brasilien sei, solle ich mich melden...aha...
Ich setzte mich dann die verbleibenden 2 Stunden vor mein Gate und schaute zwei Flugzeugen zu, wie sie direkt nach Lima abhoben. Da das Buchen von Flügen nicht so meine Stärke ist, ärgerte ich mich nun, dass ich zuerst nach Santiago de CHILE (!!!) fliegen musste, um dort umzusteigen und dann nach Lima zu fliegen! Super, ich mit meiner Flugangst!
Tja, ich heulte ein wenig, als ich das brasilianische Festland verliess und in den Riesenvogel stieg. Das Flugzeug war echt beeindruckend! Alles vom neusten Schnickschnack, sogar in der Economy Class! Der Geschäftsherr neben mir sah meinen hilflosen Versuchen, den Sitz zu verstellen kurz zu und half mir dann möglichst diskret. Wenig später unterbrach er mein verzweifeltes Herumtippen auf dem Touchscreen des Bildschirms vor mir mit einem gezielten Druck auf den richtigen Knopf. Ich kam mir vor wie ein kleines Kind, dem man alles zeigen musste. Gut, mutig wagte ich mich nach dem Start an die Fernbedienung, mit welcher man im Menu aus 14 Spielen oder etwa 100 Filmen auswählen konnte. Der Herr neben mir machte mir jedoch sofort nachsichtig verständlich, dass ich das Gerät verkehrt rum hielt... oh je! Der Gipfel der Ungeschicklichkeit folgte gleich darauf, als ich mich im Sitz bewegte und promt über mir das Licht anging und der Servierdüsenschalter rot aufleuchtete !!! Hilflos schaute ich auf das leuchtende Inferno über mir. Erneut war das technische Wunder zu meiner Linken sehr hilfreich und brachte die Lichter zum Erlöschen. Nun brach ich in lautes Gelächter aus. Echt, ich konnte mich kaum erholen!!! Man muss sich das alles mal bildlich vorstellen; es war wie in einer Komödie, in welcher ein Missgeschick das nächste jagt.
" Sorry, I'm a women and technically underdeveloped", sagte ich nach meinem Lachanfall, was der Herr dann seinerseits lustig fand.
Wir plauderten ein wenig. Er konnte es sich aber nicht verkneifen zu fragen, ob ich das erste Mal flog. Aehm...nein... also ich bin nicht mit dem Schiff nach Brasilien gereist!
Später meinte er: " I don't believe that you travelled six month all alone. You seem to be such a happy person!" Hm, Alleinreisen und Glücklichsein schliesst einander doch nicht aus, oder???
Der Businessmann verabschiedete sich in Santiago mit einer Umarmung.... und drückte mir seine Visitenkarte in die Hand. Falls ich das wunderschöne Chile besuche, müsse ich mich unbedingt bei ihm melden... aha........!
Das war ja wirklich unglaublich! Ich überlegte mir, ob ich ein Visitenkartenleporello herstellen sollte oder ob auf meiner Stirn stand "Sammle Visitenkarten". Keine Ahnung, weshalb mir an diesem Tag die Dinger nur so nachgeschmissen wurden.
Um Mitternacht kam ich dann in Lima an. In Peru sind die Flughäfen anscheinend länger geöffnet, als in Brasilien...
Ich hiefte meinen 26.8kg schweren Rucksack vom Band und begab mich zum Ausgang. Zum Glück wurde ich von einem Fahrer erwartet. Er brachte mich im 15 plätzigen Minibus zum Hotel. Ich fand dies ein wenig übertrieben, soviel Gepäck hatte ich ja nun auch wieder nicht.
Durch die Zeitverschiebung war ich wiedermal fast 24h auf den Beinen. Müde wollte ich im Hotel meinen von mir mit Schnüren zugeknüpften Rucksack öffnen. Leider merkte ich erst jetzt, dass die Schere ja im Rucksack drinnen war... kurzentschlossen griff ich zum Zimmerschlüssel und raspelte die Schnüre auf.
Ich war ja schliesslich mal in der Pfadi :-)...

Noch bei Marcia in Sao Paulo. Meine sieben(tausend) Sachen ausgebreitet.
TAG 1 Lima –Huacachina Oase, Ica



In Lima verbrachte ich dann erst mal einen Tag in den Geschäften. Aber nicht, weil ich zwingend was kaufen konnte, sondern weil in allen noch so kleinen Shops Salsa oder Merengue lief! Ich hatte nun fast sechs Monate keine solche Musik mehr gehört und stand einfach dort, um Musik zu hören ...
Es war schon ein rechter Unterschied zu Brasilien, nun in Peru unterwegs zu sein. Die Leute sind viel kleiner und vor allem viel viel zurückhaltender, als in Brasilien. Das Spanisch verstehe ich zu meinem eigenen Erstaunen sehr gut! Aber sprechen kann ich natürlich nix. Teile meines portugiesischen Wortschatzes lassen sich in Addition von Händen und Füssen anwenden.
Am folgenden Tag startete dann die geführte Tour. Ich sass früh beim Frühstück und war gespannt, welche Leute mit mir die Tour gebucht hatten. Als erstes kam Susanne aus Salzburg frisch fröhlich auf mich zu und sprach mich gleich mit Namen an! Sie fragte mich dann, ob sie sich bei mir dazusetzen dürfe.
Später stiegen wir in den Tourbus ein und ich musste mit Schrecken feststellen, dass ich mit etwa 20 Jahren Abstand die Jüngste war! Oh je, solche Reisegruppen hatte ich ja zu Genüge auf der Farm kennen gelernt und es war mein absoluter Horror. Schon zu Beginn bestätigte sich meine Befürchtungen. Da wurde auf subtile Weise Wissen verglichen und jeder wusste noch ein wenig mehr als der andere und fragte, obschon man die Antwort schon wusste. Es war ein wirklicher Kulturschock nach Brasilien. Welcome back to Europe! Man wird am Wissen und nicht mehr an „menschlichen“ Massstäben gemessen...
Susanne musste mir mein Entsetzen angemerkt haben, denn sie fragte: „Und, wie ist es wieder unter lauter Deutschen? Gewöhnungsbedürftig, oder?“
Mit ihr wurde es dann echt lustig! Wir witzelten über bewohnte Panzer vor dem Regierungsgebäude usw. Ich war echt froh, dass sie in der Gruppe war!
Am ersten Tag besuchten wir alte Inkatempel und ein Museum. Der Guide des Museums sprach genau von den Sachen, die ich im Vorfeld gelesen habe. Von unglaublicher Energie, welche hier vorhanden sein sollte. Und dass es eben noch andere Realitäten gebe, als die rationell wahrnehmbare. Dass der Verstand begrenzt sei, nicht aber die Energie und dass wir alle nach Peru gekommen seien, um zu lernen.
Einige der gescheiten Herrschaften machten sich natürlich über diese Aussagen lustig und spöttelten froh drauflos.

Eines von vielen Casinos in Lima

Limabeach; das Meer ist jedoch eisig kalt.

Das Kaffe Schweiz




Dieser Panzer ist ja bewohnt!

Eine Kirche in Lima

Kirchenputzen

Blaue Häuser in Downtown

Wiedermal ne lustige Tafel

Dieses Schild war doch der Hammer!! Ich konnte mich fast nicht erholen vor Lachen!

Im Museum in Lima

Die Medizinmänner haben die Patienten mit geschlossenen Augen und Handauflegen geheilt. Es ging alles über die Energie der Beteiligten.

Maus

Theaterutensilien werden im Park des Museums gestapelt...

Ich in Lima
WEITERFAHRT
Wir fuhren weiter zu den Ruinen von Pachacamac, um dort die Tempel zu besichtigen. Der Guide teilte uns mit, dass die Führung in 10 min beginnen würde. Eine Dame rief ganz entsetzt:“ Was, die Führung dauert nur 10 Minuten?“
Nach den Ruinen tuckerten wir einige Stunden weiter bis zu unserem Endziel, einer kleinen Oase. Dort kamen wir leider schon im Dunkeln an, so dass ich erst am nächsten Tag sah wo wir waren. Ich logierte dann in einem anderen Hotel als die restlichen Herrschaften. Ich habe eben die Backpacker- und die anderen die Fünfsternevariante gebucht.
Später wollte ich Salsatanzen gehen. Die Dame im Hotel fragte mich, ob ich denn mit Freunden tanzen gehe. Ich antwortete, dass ich heute alleine gehen werde. Sie sah mich verängstigt an. "Aber da können sie nur zu zweit hingehen! Falls ihnen jemand etwas ins Getränk schüttet, wissen sie. Dann kann die zweite Person aufpassen." Ach so.... sie brachte mich dann mit einigen Überredungskünsten von meinem Vorhaben ab.
Die andreren fanden das sehr lustig, dass ich aus Angst vor bösen Drogen nicht tanzen war. Na ja, eigentlich war ich auch eher müde von der Besichtigung all der alten Steine. Aber ich geh schon noch tanzen, mit Sicherheit :-))

Unterwegs zu den Ruinen



Eine Siedlung in der Nähe der Tempelanlage
Aussicht von den Tempeln ins Tal


Sonnentempel

Im Sonnentempel mit Blick aufs Meer. Hier haben sie Tiere, Babies, Frauen und Nahrung den Göttern geopfert...

Blick von unten zur Tempelanlage

Herr Füdlibürger mit dem Merc in den Pyramiden. Weil hier alles so unglaublich günstig ist, kann auch der europäische Normalverbraucher einen Mercedes mieten und sich damit aufführen, wie er will...

Unterwegs zur Oase

Armut, soweit das Auge reicht!

Mit diesen seltsamen Fahrzeugen düsen die Peruaner durch die Gassen.


Müll wird an den eigenartigsten Orten gelagert...

Autopanne mitten im Fluss

Sehr komischer Hund. Ich will nicht wissen, wer da mit wem gekreuzt wurde!
Eingestellt von puzzli2 4:29 PM









