Von Touristen und anderen Katastrophen
22.03.2008

Nun bin ich schon einen Monat hier!!! Es kommt mir viel viel laenger vor und die Schweiz liegt nicht nur geografisch in weiter Ferne. Ich habe mich schon an das langsame Leben, meine Gedanken, die unendliche Ruhe, die schoene Natur und das warme Wetter gewoehnt. Und geniesse....
Tja, diese Idylle wird dann immer mal wieder von Touristen (meist schweizer Nationalitaet) gestoert. Ich glaube, ich entwickle zusaetzlich zu meiner Reis-Bohnen-Allergie (da muss ich bald aufpassen, dass keine Vergiftung draus wird) auch noch eine Touristenallergie!
Sagen wir mal so. Es sind nicht alle gleich schlimm, aber ich bin jeweils jedes Mal froh, wenn sie wieder weg sind. Wir Schweizer scheinen eine akute Motzauspraegung zu entwickeln in den Ferien! Gut, ich muss schon zugeben, es ist nicht sooo einfach hier. Denn wer hierher kommt, darf auf keinen Fall heikel sein! Da gibts in JEDEM Raum Spinnen, Froesche, Muecken, Muecken, Muecken, Fledermaeuse und Echsen (auch in der Kueche). Das muss man sich schon vor der Abreise bewusst machen. Aber wenn sich Herr Tourist dann darueber beschwert, dass es im dschungligen Kleiderschrank nur einen Kleiderbuegel hat... ich weiss auch nicht. Ich bin froh, dass ich meistens darueber lachen kann :-) aufregen bringt nix...
Zu erwaehnen waere an dieser Stelle auch die abenteuerliche Reise zum Flughafen, welche ich mit einem Touristen hinter mich brachte. Wir wollten um 2.15 losfahren, um die 3h mit dem Auto zum Flughafen unter die Raeder zu nehmen. Mitten auf der Holperstrasse kroch Rauch aus der Kuehlerhaube des Autos. Nix ging mehr!!! Alles war dunkel, ich mit zwei Herren alleine irgendwo im Nowhere umzingelt von Kaimanen im Wasser neben der Strasse. Kein Licht, keine funktionierenden Handys (ich wusste schon immer, dass man die nicht gebrauchen kann :-) ), gar nix! Nur ein wild fluchender Tourist hinten im Auto. Super!!!
Wir kamen dann irgendwie Meter fuer Meter zur naechsten Ortschaft. Ruettelten den Ortspolizisten aus dem Bett und erfragten eine Taxinummer. Der Taxifahrer liess sich eine brasilianische Selbstverstaendlichkeitsstunde zeit und kam dann in seiner Rostlaube von Taxi angebraust. Ich musste mit dem Touristen im Taxi weiterreisen, waehrend der Fahrer beim defekten Auto blieb. Toll... wurde zusammengeschissen und hatte keine Ahnung, wo ich war!!! Tja, das Taxi ging dann auch kaputt... der Touri wurde langsam ausfaellig :-))) Es wurde ein neues Taxi in die Pampas bestellt und wir stiegen wieder um. Nach 5h Reise durch die Wildnis kamen wir gottseidank am Flughafen an. Der Tourist verschwand dann grusslos in der Menge!!! und ich??? Wartete geschlagene 5h, bis ich mit dem reparierten Auto abgeholt wurde... tja das ist Brasilien... einfach die Ruhe bewahren und laecheln :-))
Hier nun einen Einblick in die Alltagswelt des Pantanaltourismus.

Die Touristen kommen mit der TAM am Flughafen an. Die Flugzeuge werden hier von Traktoren gestossen.

Aussgestiegen wird auf dem ansonsten leeren Landefeld. Dann geht's per pedes weiter. Im Hintergrund Cuiaba-city.

die Fahrt fuehrt durch das farbige Cuiaba

ueber die Bruecke des Rio Cuiabas raus in die Pampas.

vorbei an ganz normalen Wohnhaeusern 

zur naechst groesseren Ortschaft Pocone. Dies ist dann auch das letzte bisschen Zivilisation fuer die naechsten 50km.


es wird noch ein letztes Mal getankt. (hier kann man auch Alkohol tanken... :-) )

ein Gruppenbild mit Dame geschossen (Oldinei, ich, Alex)
...und dann geht's ins Outback...

der Eingang ins Pantanal

das ist ein Schild fuer die Kompostprofis unter euch :-). Es zeigt die Verwesungsdauer verschiedener Wegwerfgegenstaende an. (z.B. ein Pneu hat laut Tafel eine Kompostzerfallszeit von 600 Jahren... nimmt mich ja Wunder, woher die das wissen...)

auf der Holperdipolperstrasse fahren wir im Sambarythmus -wie Traudi diese Bewegung nennt- 40km weiter

bis zur anderen Fazenda meiner "Gastfamilie".

hinter der Fazenda das Haus der Angestellten... Morilo wie immer im Tuempel am Spielen :-)

fuer eine Reittour werden die Pferde von Wagner mit dem Lasso gefangen... (er erzaehlt mir immer sehr stolz von dieser Faehigkeit :-) )

... und dann von Chiwago gesattelt

Traudi und ich gut ausgeruestet vor dem Ritt :-)

ich auf dem Pferd durch tiefes Wasser und wilde Wasserbananen
Ausserdem gibt's hier im Angebot:

touristisches Autoschieben

sich unverkennbar als Touri auf einem Boot outen

einen gut performten Affentanz anschauen

spezieller Affen-hip-hop, wenn er Bananen will

sich vom Kaiman anfauchen lassen

das Bild "Danigator"

und eine speziell gefaehrliche Attraktion: Fuetterung der Raubtiere mit exotischen Fruechten

nach all den Anstrengungen haben Herr und Frau Tourist ein Abendessen verdient!

und danach wird getanzt! (hier tanzt man Forro, die Musik ist aehnlich wie Merengue, der Tanz nicht)
ach ja... und nach der Rueckkehr haben wir hier...

mein Bad...

... und dann acht Beine, welche hinter dem Klo hervorgucken!!!

die Nahaufnahme der ueberdimensionalen Kollegin meiner anderen Badezimmerspinne

und da an Schlaf unter diesen Umstaenden auf keinen Fall zu denken ist, entpuppt sich Beat -bewaffnet mit Schuefeli, Beseli, einem Steckli und einem grossen Kessel- als Retter in arachnophobischer Not. Leider verkriecht sich Frau Spinne unter der Toilette, wo sie auch die naechsten Tage bleibt. Wir betonieren alle Ritzen mit Klopapier zu und ich lebe die restliche Zeit mit Spinne unter der WCschuessel...

nach so viel Aufregung bin ich jeweils froh, wenn ich wieder "zu Hause" bin und mich -wie hier auf dem Foto- in aller Ruhe auf den Weg zu meiner Haengematte begeben kann. Ohne einem Touristen oder einer all zu grossen Spinne zu begegnen...
Eingestellt von puzzli2 4:16 PM









