Weekend in der Stadt
20.04.2008



Seit ein paar Wochen verbringe ich die Weekends in der Stadt. Es tut sehr gut, unter Leute zu kommen, wiedermal ordentlich Lärm zu hören, shoppen zu gehen und vor allem tanzen zu können!
Ich stehe dazu um halb sechs auf, packe meinen Rucksack (nur halb voll, damit auf dem Heimweg die Einkäufe Platz haben) und suche ein fahrtaugliches Rad. Im Moment haben wir nur ein Velo auf der Fazenda, mit welchem einigermassen an Vorwärtskommen zu denken ist. Ich habe jedoch das Hinterrad von einem anderen Velo stibitzt und an dieses Rad montiert... ich bin fleissig am Improvisieren.
Dann fahre ich von der Farm 5km durchs Niemandsland, vorbei am See mit der Schlange und durch zwei kleine Bäche hindurch zur Hauptstrasse. Unterwegs hats einen Hof, auf welchem mich dann jeweils vier Hunde mit fletschenden Zähnen erwarten. Immer schön cool bleiben und freundlich mit ihnen sprechen. Sie scheinen Schweizerdeutsch zu lieben!
An der Strasse angekommen wird das Velo versteckt und ich stelle mich mal an den Strassenrand. Durch den Staat "Mato Grosso" (heisst übersetzt "grosser Wald") führt genau eine Strasse von Norden nach Süden. Das wäre diese hier. Sie wird vor allem von Lastwagen benutzt, die den ganzen Tag hin und her sausen, um Soja, Baumwolle usw. zu transportieren.
Na ja, mein einsames auf den Bus Warten wird dann von einigen der Herren Lastwagenfahrer wohl falsch interptretiert und sie hupen freudig...
Mein erstes Ziel an diesem Morgen (es ist nun etwa 7 Uhr) ist, einen der stündlich vorbeifahrenden öffentlichen "TUT"-Bussen anzuhalten. Ich habe mir schon überlegt, Sprungfedern zu montieren und mich in leuchtorange zu kleiden, denn am ersten Wochenende sind doch tatsächlich zwei Busse ohne anzuhalten an mir vorbeigerauscht. Sprich, das bedeutet für mich fast drei Stunden zu warten!!!
Mittlerweile habe ich das jedoch total im Griff :-)) Frau muss sich entschlossen breitbeinig möglichst nahe an die gefährliche Strasse stellen und mit beiden Armen wie eine Irre winken, sobald der Bus in der Ferne auftaucht. Dies kann ganz schön anstrengend werden!!!
Aber sobald ich einen Sitzplatz im Bus ergattert habe ist die Welt in Ordnung. Ich versinke in den weichen Polstern und höre eine Stunde meinem MP3-Player zu während mich der Bus in die Stadt bringt.
Dort angekommen wird man irgendwo am Wegrand ausgesetzt. Wo gerade am wenigsten Verkehr herrscht. Übrigens sind Ampeln in Brasilien eher Richtwerte, als ernstzunehmende Verkehrssignale.
Gut, dann marschiere ich tapfer mit meinem Rucksäcklein mal durch die Stadt und versuche mich zu orientieren. Irgendwie geht's immer. Nach einem Einkauf gehe ich auf Hotelsuche. Ich war schon in zwei verschiedenen Hotels, da meine eigentliche Bleibe (ein von einem Deutschen geführtes Guesthouse) gerade seit zwei Wochen neu gestrichen wird. (brasilianisches Arbeitstempo. Ich hoffe, dass sie in einem Monat oder so fertig sind).
Die Hotels sind super. Kleine Einzelzimmer mit Bad und ekligem Frühstück für läppische 15Fr. !!! Und das Ganze mitten im Zentrum.
Ich verbringe jeweils die Samstage mit Shoppen und Fotografieren, kehre gegen Abend ins Hotel zurück und schlafe noch ein Stündchen. Dann verabrede ich mich meist mit Marcos (einem der früheren Angestellten, welcher nun in Cuiaba lebt) und wir gehen tanzen.
Er tanzt zwar nicht wirklich, aber ich glaube, das wird den Menschen hier einfach in die Wiege gelegt. Dummerweise habe ich beim ersten Ausflug ins Nachtleben meine ID im Hotel vergessen. So haben sie uns nirgends reingelassen, ausser in einen abgefahrenen Country-Club. Aber Hauptsache Musik und immer noch besser als nichts.
Die Brasilianer feiern die ganze Nacht durch!!! Und wenn ich so gegen halb drei schlapp mache, sind sie fast ein wenig beleidigt... Muss mich da noch gewaltig umstellen. Aber ich habe ja noch Zeit :-)))
Am Sonntag morgen pilgere ich jeweils gemütlich zum Busbahnhof und kaufe mir eine Rückfahrkarte. Dort kennt man mich übrigens schon und der Herr stellt mir gleich ohne gross zu fragen das richtige Ticket aus. Auch im Bus wissen sie schon, dass ich die "welche so lustig spricht" bin.
Es ist erschreckend, wie wenig Touristen es in Cuiaba gibt. Viele von den Leuten hier haben noch nie in ihrem Leben jemanden gesehen, der nicht Portugiesisch spricht! Einkaufen ist deshalb ein echter Spiessrutenlauf, da die Leute mich für total bekloppt oder sonst nicht ganz schlau halten. Ich bin eine wandelnde Rarität hier :-))
Nachdem mich der Bus wieder bei den Melonenständen abgeladen hat und die Fahrer schon "bis nächstes Wochenende" sagen, trete ich in der morgendlichen Hitze den Rückweg per Rad an.

Mein Hotel von aussen. Es handelt sich hier nicht etwa um eine Gartenbeiz im Eingangsbereich, sondern um das Freihalten von Parkplätzen

mein Einzelzimmer mit Bad (sieht aus wie im Gefängnis, aber ich fühle mich wohl)

Stillleben im Bad

vom Hotel aus die Strasse runter fotografiert. Bunt, bunter, Cuiaba :-)

hier wurde auch kräftig im Farbtopf gerührt






der Hauptplatz im Stadtzentrum

die Brasilianer haben schon Humor und schmücken sogar die Abfalleimer mit Tierköpfen...


auch sonst sind sie Weltmeister im Schmücken ihrer Häuser mit bunten Gemälden

so sieht eine moderne brasilianische Kirche aus

das Polizeigebäude

einen Aufruf an die Menschheit

hier haben wir Bin Ladens brasilianischen Wohnsitz

die Temperatur morgens um 11 Uhr

ein Wohn-Wagen. Hier drin wohnt ein Vater mit seinem Sohn.

nochmals ein Hausschmuck

und dann ist es überhaupt kein Problem, eben mal mit den Lockenwicklern auf dem Kopf eine Crepe kaufen zu gehen...

Toni ist der Grillmeister in der Stadt. Er besitzt vorsichtshalber gleich vier Grills, falls einer mal aussteigen sollte oder so. Hier wird im Akkord gebraten!

ein Brünneli in der Stadt

leider ist auch dies traurige Realität und nicht selten anzutreffen. Die erschreckende Armut in dieser Stadt!
Nach einem schönen Wochenende trete ich dann den Heimweg an

hier versuche ich am Morgen die Busse aufzuhalten und werde auf dem Heimweg am Strassenrand ausgeladen

die beiden Türme signalisieren das Vorhandensein der Fazenda irgendwo im Nowhere

erstes Hindernis, mit dem Velo und viel Gepäck dieses Tor zu passieren

mein super Velo und der Weg, welcher vor mir liegt

der einzige Hof unterwegs. Im Bild das Wohnhaus. Hier leben auch die schnuggligen Hunde mit den spitzen Zähnen.

und weiter geht die Fahrt

der einzige Gegenverkehr auf der ganzen Strecke. Ein Bauer, der sein Pferd Gassi führt

ich... vollbeladen und verschwitzt am Pause machen

der Weg führt zum Schluss am Schlangensee vorbei
... dann verbleibe ich mal mit einem abraco und schicke virtuellen Sonnenschein

... und weg
Eingestellt von puzzli2 4:45 PM Kommentare (0)





















































































